Weinland Ungarn

 

 

 

 Stierblut war gestern ...... 

         .... die Renaissance der grossen ungarischen Weine.

 

Der ungarische Wein ins rechte Licht gesetzt. 

Zwei Namen existieren in der ungarischen Weinwelt, die auch auf den Auslandsmärkten wohl bekannt sind. Das sind der Tokaj Aszú und das Erlauer Stierblut. Das Problem liegt nur darin, dass ersterer zwar weltweit bekannt ist, doch nur von wenigen konsumiert wird, während letzterer in den vergangenen Jahrzehnten zum Synonym des billigen und schwachen Weins wurde. 

An den Tokajer müssen die Weintrinker also „nur" gewöhnt werden, wohingegen der Name des Stierblut zunächst in Vergessenheit geraten muss. Wenn man heute sagen müsste, was die Eigenschaften des Erlauer Weins sind, würden neun von zehn Weintrinkern sicherlich von einem Wein sprechen, der eine schwere Säure aufweist, wobei es außer Zweifel stehen dürfte, dass sie eher den Rotwein der Villányer Gegend verherrlichen. 

Das muss nicht verwundern, denn mit dem Aufbau der Marktwirtschaft geriet die Weingegend von Eger gegenüber Villány-Siklós in den Hintergrund, während ihre Weine schrittweise vom Tisch der anspruchsvollen Weinfreunde verschwanden. In den jüngsten Jahren scheint sich dagegen wieder ein Gleichgewicht einzustellen. Das ist in erster Linie den besten Familienbetrieben zu verdanken, durch deren Wirken immer häufiger stilistisch neue, aromatische und würzige Rotweine unter Etiketten aus Eger auf dem Markt erscheinen.  

In diesen Weinen findet sich keine Spur mehr von jenen harten Säuren, die zum „Stilzeichen" der niveaulosen Massenabfüllungen wurden. Die Blaufränkischen von Tamás Pók, die Pinot Noirs und Cuvées von Vilmos Thummerer, sowie die Cabernets von Tibor Gál und Béla Vincze sind mittlerweile gleichrangige Konkurrenten unserer südlicheren Rotweine.

Es gibt örtliche Sorten (Kadarka, Blaufränkischer) und Weltsorten (Cabernet, Pinot Noir), man verfügt über ein phantastisches Klima und über auch im Landesmaßstab große freie Flächen, die sich hervorragend für den Weinbau eignen. Hier ist also das Potential für ein Wachstum vorhanden. Da ist es kein Zufall, dass immer mehr neu gegründete Weinkeller mit ihren Produkten auf dem Markt erscheinen und der Erlauer Wein in den kommenden Jahren einer Renaissance entgegensieht.

 

Die TAZ schrieb zur Grünen Woche 2004 in Berlin über ungarische Weine: 

„Es gibt Weinkulturen, die uralt und faszinierend sind, aber trotzdem nur marginal wahrgenommen werden. Ungarische Weine sind so. Seit zwei Jahrtausenden wird in Ungarn Wein kultiviert, jahrhundertelang waren die besten von ihnen Inbegriff und Vorbild für hochwertige Weine in ganz Europa. Das Spektrum war breit, reichte von trockenen, charaktervollen Weißweinen aus Somlo über trockene, finessenreiche Rote aus dem südungarischen Villany bis hin zu kostbaren edelsüßen Tokajern. Davon blieb ein Mythos, er wurde im kommunistischen Ungarn verramscht. Ein verlorenes Territorium, das junge Spitzenwinzer nun wieder zurückerobern. Denn mit der politischen Wende begann in Ungarn ein qualitativer Aufbruch. Wichtigste Voraussetzung für die positive Entwicklung ist, dass eine neue Generation von Winzern sich mutig entschied, sich auf ihre Wurzeln und Identität im Weinbau zu besinnen. 

Trotzdem: Ungarischer Wein ist ein zartes Pflänzchen, dem die Zukunft gehört.“

 

Ungarische Weine

 

Wein ist der Glaube an die Zukunft, der Stolz, die Freude und der Kummer eines Volkes. Nicht ohne Grund nennt man den Wein "das Blut des Berges", da Bodenbeschaffenheit, Rebsorte, Wärme und Sonne, Wind, Regen und nicht zuletzt die richtigen Weinfässer zusammen erst einen guten Wein ausmachen. Aus den historischen und jüngeren Weinbaugebieten Ungarns stammen zahlreiche bekannte, beliebte, harmonische Weine. Der Tokajer Aszú aus der weltberühmten Weingegend Tokaj-Hegyalja, "der Wein der Könige, der König der Weine", wächst auf vulkanischem Gestein. An den Berghängen um Eger gedeihen die Erlauer Mädchentraube (Weißwein) und die bekannten Rotweine des Erlauer Stierbluts. Im süd-südöstlichen Bükk-Gebirge wurden bereits im Mittelalter aromareiche Weißweine gekeltert. Die Weingegend Mátraalja ist durch ihre Weißweine wie Lindenblatt, Welschriesling, Grauer Mönch und Chardonnay bekannt. Der berühmteste Rotwein der Soproner Weingegend ist der Blaufränkische. Die blumige Mórer Mädchentraube und der Traminer gedeihen in der Weingegend um Mór.  Seit Jahrhunderten sind die Rotweine aus dem Weingebiet von Szekszárd erstklassig. In der Weingegend Mecsekalja reifen ausgezeichnete Weißweine wie Welschriesling, Furmint, Chardonnay. Dem fruchtbaren Boden der Weinbaugebiete Badacsony, Balaton-Felvidék und Somló verdanken die Winzer elegante, fruchtige Weine wie Blaustängler, Grauer Mönch, Welsch- und Rheinriesling. Harmonische Weißweintrauben wachsen im Weingebiet Villány-Siklós, bekannter in diesem Gebiet sind allerdings die Rotweinsorten Opporto (Portugieser), Blaufränkischer, Kadarka, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Merlot. Die leichten, wohlschmeckenden Sandweine der Weingegend der Tiefebene sind als Rot- und Weißwein beliebt, wie z.B. der Cserszegi füszeres.

 

Winzer des Jahres 

Die Akademie des ungarischen Weines verleiht seit 1991 den Titel "Winzer des Jahres" in Anerkennung der mehrjährigen herausragenden Tätigkeit der Preisträger und der Qualität ihrer Weine. 

Die preisgekrönten Winzer und ihre Weinbaugebiete sind: 

 

2010 - Ottó Légli (Balatonboglár)

2009 - Dr. György Lőrincz (Eger, Weinkellerei St. Andrea) 

2008 - János Konyári (Balatonboglár)

2007 - János Frittmann (Kunság, Kumanien)

2006 - Vencel Garamvári (Südbalaton)

2005 - Béla Vincze (Eger)

2004 - Ferenc Takler (Szekszárd)

2003 - Árvay János (Tokaj)

2002 - Ernő Malya (Buda)

2001 - István Szepsy (Tokaj)

2000 - Mihály Figula (Balatonszolos, Balatonfüred)

1999 - Ákos Kamocsay, Hauptwinzer von Hilltop Neszmély AG

1998 - Tibor Gál (Eger)

1997 - József Bock (Villány)

1996 - Zoltán Polgár (Villány-Siklós, Szekszárd, Tokaj)

1995 - Vilmos Thummerer (Noszvaj, Eger)

1994 - Attila Gere (Villány)

1993 - Ferenc Vesztergombi (Szekszárd)

1992 - Tibor Báthory (Etyek)

1991 - Ede Tiffán (Villány)

 

 

 

Die Weingegend von Eger

 

 

 

Die Stadt Eger (Erlau) und ihre Umgebung sind als Schauplatz von berühmten historischen Ereignissen bekannt. Im Jahre 1552 hat das ungarische Heer mit einer Hand voll Soldaten den Feldzug der türkischen Eroberung aufgehalten.

 

 

 

Architektonischer Glanz in Eger

Die Gedenkstätten der ungarischen Geschichte, die wunderschöne Lage, das pulsierende kulturelle Leben, das Heilwasser und die Bäder - was zieht eigentlich die vielen in- und ausländischen Touristen an dieser altehrwürdigen Stadt mehr an? Vielleicht alles, was hier erwähnt wurde. Und noch etwas - der Wein! 

 

 

       Über den Dächern von Eger 

  

In den vergangenen Jahrzehnten bewiesen die Erlauer Weinbauern, dass der Saft der hier gelesenen Trauben wie Lányka, Királylányka (Königstochter ), Hárslevelű (Lindenblättriger), Olaszrizling (Italienischer Riesling), Muskotály (Muskateller), Tramini, Szürkebarát (Grauer Mönch) und Chardonnay mit beliebigen in- und ausländischen Weinsorten konkurrieren kann.  

Nach Meinung der Fachleute können die anderen Weinsorten - wie z. B. Erlauer Blaufränkischer, Blauburger, Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc und Pinot Noir - mit einem enormen Erfolg rechnen, wenn die Möglichkeiten der Landschaft von den Weinbauexperten richtig erschlossen werden. 

Damit die Erlauer Weinsorten an das Tor des Welterfolgs klopfen konnten, waren die Kellereien, die aufgrund der wirtschaftlichen Veränderungen am Anfang der 90er Jahre gegründet wurden, unentbehrlich.

 

  

Typisches Weingut des ungarischen Nordens

  

Es lohnt sich, speziell einige Weinbauexperten zu erwähnen, von denen herausragende Leistungen erzielt worden sind.  

1995 errang Vilmos Thummerer den Titel "Weinbaukundiger des Jahres". Der Thummerer-Keller befindet sich in Noszvaj, einige Kilometer von Eger entfernt.  Auf dem 50 Hektar großen Weinanbaugebiet begann die Familie Thummerer in den 80er Jahren, sich mit den so genannten reduktiven Weißweinen zu beschäftigen.

 

 

Den Rang "Weinbauer des Jahres" gewann im Jahre 1998 Tibor Gál, der Erlauer Meister. Seine in- und ausländischen Erfolge haben diese Weinlandschaft immer mehr ins Rampenlicht gerückt.  

Tibor Gál ist bei einem nächtlichen Autounfall in der Nähe von Kapstadt 2005 im Alter von 47 Jahren ums Leben gekommen.
 
 

Die Würze, das Feuer der Erlauer Rotweine und ihr samtweicher Säuregehalt charakterisieren in erster Linie den berühmten Wein "Egri Bikavér" (Erlauer Stierblut).  

„Der Überlieferung zufolge tranken die Verteidiger Egers ihren heimatlichen Wein, um ihren Kampfeswillen und ihre Moral zu steigern. Als jedoch die Türkischen Belagerer die rotgefärbten Bärte der Verteidiger sahen, dachten sie, die Erlauer hätten das Blut von Stieren getrunken um sich deren Wildheit und Kampfesstärke anzueignen und zogen sich schließlich zurück, da sie durch diesen Eindruck demoralisiert wurde.“ 

Der Stierblut wird durch Mostgärung mehrerer Sorten Rotweinreben nach festgesetzten Mischverhältnissen hergestellt, wodurch als Ergebnis, eine dunkelrote, körperreiche, milde Rotweinsorte entsteht, die mit ihrem charakteristischen Duft und Bukett, mäßig aber herb genug, vollkommen harmonisch ist. 

Die tiefdunkle, granitrote Farbe ist unentbehrliche Grundvoraussetzung.  

Deswegen wurde der Wein an einer Landesweinausstellung am Anfang des Jahrhunderts als "dunkelrot ", "stockdunkel" , in manchen Jahrgänge sogar "schwarz" beschrieben.                   

Heute kann der Stierblut (Bikaver), der Flaggenweines des Weingebiets, aufgrund des 1997 geschlossenen „Stierblut-Kodex“, wie schon vor 50-100 Jahren, wieder in die Reihe der berühmtesten Weine aufrücken. 

Unter der Stadt Eger erstreckt sich ein riesig ausgedehntes Höhlen- und Kellersystem. Die Stadt ist durch diese miteinander verbundenen Kellerzweige auch unter der Erde in ihrer ganzen Breite passierbar. Ein Teil dieser Höhlen ist natürlichen Ursprungs, die Mehrzahl ist aber künstlich ausgestaltet und mit Schnitzereien geziert.

 

 

Weinkeller von Csaba Demeter mit  „Egri Bikavér"

 

Vergleichen viele Villány mit Bordeaux, ziehen andere Parallelen zwischen Eger und Burgund.  

Zum Glück erlauben es allerdings die natürlichen Gegebenheiten, dass man sich eigentlich jedes Ziel setzen kann.

 


 
 

Tokaji im Zeichen der Wiedergeburt ...

 

 

 

Ein besonderes Weinbaugebiet   

Im Jahre 1703 schenkte der Fürst Ferenc Rakóczi II. dem französischen König Ludwig der XIV. (der Sonnenkönig) zahlreiche Flaschen von seinem Tokajer Weingut. So erschien der Tokajer im Hof von Versailles, wo der Sonnenkönig mit folgenden Worten seiner Begeisterung Ausdruck gab: 

 

(Wein der Könige, König der Weine)

  

So fing der Tokajer an, Europa zu erobern und wurde der Lieblingstrunk von Peter dem Grossen, Katarina der Grossen, Friedrich II., Voltaire, Goethe und Schubert. 

Ein Jahrhundert lang war der Tokajer im Westen vergessen, ein Halbes verschwand die Region zudem hinter dem Eisernen Vorhang und damit von der Landkarte. 

Hochwertige Tropfen wie ein Szamorodni aus edelfaulen und normalen Trauben wurden im sozialistischen Paradies der Tauschwirtschaft zum Billiggesöff. Der Önologe (Kellermeister) der Rákóczi-Weinkellerei erzählt, dass man Szamorodni im Moskau der achtziger Jahre gegen einen Getränkebon bekam, billiger als Cola. „Tokaj war in den Achtzigern tot“, heißt es auf dem heute im schicken Design daherkommenden Disznókö-Weingut.

  

    Die Weinberge von Hegyalja

 

Seit 2002 ist Tokaj Unesco-Welterbe, eine Auszeichnung, die weniger die siebenundzwanzig Orte des Anbaugebietes würdigt als dieses selbst mit seiner seit fast einem Jahrtausend lebendig erhaltenen Kulturtradition des Weinanbaus, seinen uralten Weingütern und Kellern; ganze Hügel und Anhöhen sind durchlöchert wie ein Schweizer Käse, so lange wird hier schon Wein angebaut.

  

Ein Blick tief in die Natur... 

Es ist eine komplizierte Geschichte mit diesem Aszú, der nur aus Trauben mit der Edelfäule Botrytis Cinerea gekeltert wird. Den Verursacher, einen Pilz, steuern im Herbst die beiden Flüsse mit Nebeln und Feuchtigkeit bei. Ein Aszú-Jahr sei ein Geschenk Gottes, sagen die Menschen am Bodrog, nicht jedes Jahr ist eines, doch man lebte lange gut davon.  Ausbruch heißt Aszú auf Deutsch, der Pilz lässt die Trauben aufplatzen, Saft tritt aus, die Beeren schrumpfen, nicht alle gleichzeitig, so dauert die Lese von Hand ihre Zeit. Bis tief in den November hinein werden die Rebstöcke in Abständen von Tagen mehrmals abgesucht, die Trauben in Butten von fünfundzwanzig Kilo gesammelt.                                                     

 

                              

                                      25 Kg – Butte                     Trauben mit der Edelfäule Botrytis

 

Mühselig ist die Lese, mehr als fünfzehn Kilo am Tag schafft eine Person kaum. Wie Rosinen sehen die zucker- und extraktreichen Beeren aus. Den Trauben wird zur Mazeration (Einweichen)  gärender Most oder süßer Jungwein desselben Jahres zugesetzt, je nach Qualitätsstufe drei bis sechs Butten edelfaule Trauben auf ein Fass Most, das traditionelle Göncerfass. Bis zu achtundvierzig Stunden liegt der Wein auf der Maische, das bringt viel Zucker und Extrakt, aber auch schöne Säure. Dann wird gepresst und sehr lange im Fass vergohren. Tief unter der Erde reift der Wein mindestens zwei Jahre lang in Eiche, in der Flasche ein weiteres Jahr. Trinkfertig kommt er in den Handel, doch alt werden kann er, bis zu hundert Jahren. Köstlich, kostbar, kostenintensiv ist der Tokajer, und die Vermarktung ist nicht einfach.

 

 

Aszú – Flaschen mit zentimeterdickem Edelschimmel

 

In die Kellereien ist die Moderne eingezogen. Ein Besuch im Land des Aszú aber ist noch immer eine Reise in die Vergangenheit. Pferdefuhrwerke rumpeln Alleen entlang, barocke Kirchtürme dösen über verschlafenen Dörfern, altmodischen Bauerngärten, Maisfeldern und Rebzeilen. Hier und da ist ein Waldstück zu sehen, und allenthalben klappert es aus Storchennestern, von Schornsteinen und Telegraphenmasten, von Dachfirsten. Am Städtchen Tokaj ergießt sich der stattliche Bodrog in die breite, aus der Ukraine herbeiströmende Theiss. Weiher, alte Flussarme und Schilfgürtel säumen sie, die Störche kommen jedenfalls gut zurecht. Und die beide Flüsse tragen das Ihre zum Mikroklima bei. Im Frühjahr, wenn sie einen glitzernden See bilden, vierzig Kilometer lang und vier breit, reflektiert er wie ein Spiegel Sonnenlicht und Wärme an den Berg, die Reben sind dafür dankbar. Im Herbst steigen dann die Nebel auf, wabern durch die Weinberge und bescheren „das Geschenk Gottes“. 

Die Lese der Aszú-Beeren findet immer sehr spät statt: der traditionelle, ursprüngliche Lesebeginn war der 28. Oktober; während der letzten vier Jahrzehnte hat er sich jedoch immer mehr nach vorne verschoben, da man eine immer frühere Reifung der Beeren festgestellt hat. Nach der Lese werden die geschrumpften Aszú-Beeren auf der Traube aussortiert und in offenen Bottichen gesammelt. Die Beeren werden aufgearbeitet, indem sie in speziellen Maschinen zerquetscht werden; so entsteht der Aszú-Teig (Bezeichnung für die Trockenbeerenmaische); die Kerne dürfen dabei allerdings nicht zerquetscht werden, sie müssen ganz bleiben. Dann wird je nachdem, ob ein 3-, 4-, 5- oder 6-buttiger  Aszú-Wein bereitet werden soll, 1 Göncer Faß  Neuwein (Most/ Altwein) aufgegossen. Dieses Gemisch wird 12-48 Stunden lang regelmäßig umgerührt und dann werden die oben aufschwimmenden Kerne entfernt. Dann wird der Wein in traditionellen, aus Eichenholz gefertigten Göncer Fässern oder auch in bis zu 200 l großen Fässern im Weinkeller reifen gelassen. Bis vor kurzem mußte man den Aszú-Wein mindestens so viele Jahre reifen lassen, wie Butten aufgegossen wurden. In der Regel war die Reifezeit mit der Buttenzahl plus 1-2 Jahren bestimmt. Einen 5-buttigen Aszú beispielsweise ließ man daher mindestens 6-7 Jahre reifen. Nach dem neuen Weingesetz jedoch müssen alle Aszú-Weine, egal ob 3- oder 6-buttig, nur mehr 3-4 Jahre reifen. 

 

 

Etikett eines 5-buttigen Tokaji Aszú von 1998

  

Im Reifezustand wird der Wein schließlich auf die Flasche gezogen, wo er sich noch weiter verfeinert. Allgemein gilt: je höher die Buttenzahl, desto höher der Zuckergehalt und desto höherwertiger und haltbarer ist der Wein in der Flasche. Der Zuckergehalt beim 3-buttigen Aszú beträgt 60-90g/l, beim 4-buttigen  90-120, beim 5 buttigen  120-150, und beim 6-buttigen  150-180g/l. 

Der Alkoholgehalt der Aszú-Weine liegt bei etwa 13-14%. Der Tokajer Aszú ist ein sehr süßer, schwerer, aromatischer Wein mit Brot- und z.T. auch Schokoladegeschmack und Pfirsich-Johannisbrot-Aromen.  Er eignet sich sehr gut als Aperitiv oder für Vorspeisen (Gänseleber, Zuckermelonen), auch als Begleitung zu Gerichten wie Ente mit Pfirsich, Pute mit Apfel sowie zu Desserts.  Die empfohlene Serviertemperatur ist 12°C. Dieser Wein zeichnet sich auch durch seine Langlebigkeit aus: er kann in Flaschen verschlossen viele Jahrzehnte, ja sogar Jahrhunderte ohne Qualitätseinbußen aufbewahrt werden.

 

  

      Der weltberühmte Rakoczi-Keller in Tokayi  

  

· Tokajer Eszencia: Die seltenste und gleichzeitig auch teuerste Weinspezialität ist die Tokajer Essenz (Tokaj Eszencia). Sie wird ebenfalls aus Aszú-Beeren hergestellt, die in einen offenen Bottich gegeben werden; durch den Druck ihres Eigengewichtes ohne Pressung läßt man sie auslaufen, was ein sehr langsamer Prozeß ist. Die so gewonnene sirupartige, süße Flüssigkeit ist an sich schon die Essenz. Die Essenz weist einen außerordentlich hohen natürlichen Zuckergehalt von 250g/l auf.  Da die dickflüssige Essenz auch einen hohen Anteil an Spurenelementen und Vitaminen aufweist, wird sie traditionellerweise in Apotheken als Medikament ( Rekonvaleszenzmittel) verkauft; man findet sie meist in Medizinalflaschen mit der Aufschrift «Vinum Tokajense passum».

 

 

 

Die Weinstraße Villany-Siklos und Szekszárd 

 

 

Die Villany-Sikloser Weinstraße im von mediterranem Klima geprägten Komitat Baranya in Südtransdanubien blickt auf eine jahrtausendelange Weinbautradition zurück. Der Weinbau hier geht vermutlich schon auf die Keltenzeit zurück, nachweislich auf die Römerzeit. 

Ein zeitiges Frühjahr, der lange heiße Sommer und der warme Herbst sind neben idealen Bodenverhältnissen die besten Voraussetzungen für eine sehr erfolgreiche Weinbautradition. 

Junge Generationen lernen unter Anleitung der Weinbauern, die schon mehrmals den Titel ''Winzer des Jahres'' und zahlreiche internationale und nationale Preise erhielten, die Geheimnisse der Winzerei kennen. Die Villany-Sikloser Weinstraße ist die erste Ungarns und umfasst auf ihren 30 km 11 Gemeinden. 

 

Dazu die TAZ (anl. der Grünen Woche 2004):

 „Villany ist ein ''Nest'' in Südungarn. Ein Dorf mit 3000 Einwohnern und 600 Winzern. Alles dreht sich um Wein.... In Villany können atemberaubende Rotweine wachsen, die eine ernsthafte und eigenständige Alternative zum besten Bordeaux sein können.“

 

 

  

          Thypische Weinstrasse in Villany

 

Villany - ein Winzerdorf: Seit rund 20 Jahren betreiben die Winzer wieder den Weinbau in großem Maßstab. Vorher war während der Zeit des Sozialismus nur ein kleiner Weingarten gestattet und die Menge durfte die Eigenversorgung nicht überschreiten. Allerdings wurde darauf geachtet, dass bestimmte Reben angebaut werden. Das ist auch heute so. Es gibt eine Verpflichtung für ausgewählte Rebsorten in dieser Region und zu einer Erntemengenbeschränkung.                                                                              

Zum Beispiel hat der Winzer Ede Tiffan die Tradition des Weinbaus seiner Familie weiterführt und mit moderner Technologie perfektioniert. Er bietet Weine von Weltrang. Pokale internationaler Weinmessen schmücken die Vitrine in seinem Haus. Stolz weist er von der Besucherterrasse auf seine Weingärten. In den Räumen seiner Gastwirtschaft, in denen er gerne Reisegruppen und alle interessierten Besucher empfängt, erklärt er gern die Geschichte seines Weingutes.  Die Weinverkostung ist ein Erlebnis.

 

 

Weinverkostungskeller in Villanyi 

Mit großer Aufmerksamkeit und mit Vergnügen und Stolz beobachtet Ede Tiffan die Wirkung seiner Weine beim Gespräch mit seinen Gästen. Jeder Wein ist anders und jeder Mensch reagiert anders - Fröhlichkeit, Freude, Glück oder Redseligkeit - der Mensch öffnet sich. Bei dem anschließenden Besuch des Weinkellers staunt man über die riesigen Fässer und lernt viel über die Kunst der Weinherstellung. Die Einladung zur Weinlese im Herbst ist verlockend: Warum den Wein nur trinken - warum den Wein nicht erleben?

 

 

 

Balaton – Lebensfreude pur ...

 

 

 

 

Der Balaton ist der größte Binnensee Mitteleuropas, bestens zum Baden und Ausüben verschiedenster Wassersportarten geeignet. Im Sommer kann man sich auch mit dem Segelboot oder per Schiff zwischen den entlang des Ufers gelegenen Dörfern bewegen. Zur Erkundung der Umgebung des Sees laden von Frühjahr bis Herbst erlebnisreiche Fahrrad-, Pferde- und Wandertouren gleichermaßen ein. Im Sommer werden in balatonnahen Orten zahlreiche kulturelle Veranstaltungen und Festivals organisiert. 

Der See mit seiner Umgebung stellt eine der attraktivsten Landschaften Ungarns dar. Niemand wird sich dem Reiz der charakteristischen Bauernhäuser, der stimmungsvollen Dörfer und der auf den See blickenden Kelterhäuser des Balaton-Oberlandes am Nordufer des Sees entziehen können. Der Blick vom Südufer aus gleitet über   Vulkankegel – Berge, die als Ergebnis vulkanischer Aktivität das Nordufer gleichsam umrahmen. Besonders sehenswert sind Badacsony, Szentgyörgy-hegy, Tihany und der etwas entfernter im Hinterland gelegene Somló. 

Außer den vulkanischen Böden bedecken Kalkgestein bzw. an Eisenoxid reiche rote Böden das Nordufer sowie lehmhaltige, sandige Sedimentböden bzw. Löss das Südufer.  

Der von Hügeln umrahmte Balaton verkörpert ein ideales Gebiet für den Weinanbau, zumal der See, das reflektierte Sonnenlicht und auch der Herbstnebel sich wohltätig auf die Reifung der Trauben auswirken.    

In der Balatonregion waren die Reben schon immer Teil des Lebens der hier angesiedelten Völker, eng mit ihrem Tagesablauf, ihrer Arbeit und ihren Festen  verknüpft. Das ausgezeichnete Klima hat für den Weinanbau eine ganz besondere Bedeutung. Es gewinnt durch die temperierende Wirkung der großen Wassermenge weitere Vorzüge. Infolge der Wasserverdunstung ist hier die Luftfeuchtigkeit immer etwas höher. Die vom See reflektierten Sonnenstrahlen werden von den steilen, steinigen Hängen reflektiert, und dadurch wird eine allmähliche mediterrane Wirkung erzielt.
 
 
 

 

 

    Die Weinberge von Badascony ( Tafelberg )

 

Badascony ist eine der berühmtesten Weinbaugegenden von Ungarn. Die Weinbaugegend ist eindeutig ein Weisswein gebendes Gebiet. Die Badacsonyer Weine sind körperreich, haben einen grossen Extrakt- und Alkoholgehalt. Die Weingegend ist zum bevorzugten Touristikgebiet geworden, was sie nicht nur der Nähe des Plattensees (Balaton ), sondern auch den Barock-Klassizistisch sowie volkstümlichen, traditionellen Kellern zu verdanken hat. Typische Weinsorten sind: Blaustängler, Welsch Riesling, Sauvignon Blanc, Chardonnay, Riesling, Muscat Ottonel, Grauer Mönch. Die Weinberge dieser Gegend verliehen auch den Weltsorten einen seltenen, zusätzlichen Wert.

   

 

Weingegend  Balatonhochland 

Die Balaton Hochland Weingegend besteht aus drei grösseren Regionen, aus der Region Kál, aus der Region Balatonederics-Lesence und aus der Region Cserszeg.  

Aus letztgenannter stammt unser persönlicher Favorit, der Cserszegi Füszeres. 

 

 

   Traube des Cserszegi Füszeres

  

Eine Traubenart, die einen sich in den letzten Jahrzehnten durchgesetzten duftenden, leichten Wein gibt. Sie wurde im Jahr 1960 vom Keszthelyer Forscher Károly Bakonyi durch die Kreuzung des Irsaer Olivers und des Roten Traminers in Cserszegtomaj veredelt. Seine ersten Sporen hat dieser Wein der Weingegend von Ászár-Neszmély zu verdanken, jedoch ist die Traubenart heute schon in einem Dutzend Weingebiete beliebt.

 

Impressionen vom Balaton...